Rechtshilfe Duwe vs. Transmedizin

Der Fall Maur: Warum sich Wehren lohnt

von | 24.03.26

Rona Duwe und Eva Engelken

von Eva Engelken, Vorstandsvorsitzende und Gründerin Frauenheldinnen e.V.

Ronas Fall hat gewirkt, Sabine Maur ist von ihren Spitzenämtern zurückgetreten, nachdem sie vor Gericht weitgehend unterlegen ist.1 Das ist keine Lappalie. Maur war bis Montag Vizepräsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und als Mitautorin der nicht evidenzbasierten Leitlinie S2K neben Georg Romer eine der bekanntesten Köpfe der Transmedizin.

Ich freue mich mit Rona Duwe. Der Fall zeigt, dass es sich lohnt, nicht einzuknicken, sondern sich zur Wehr zu setzen. Allerdings zeigt er auch: Recht haben muss man sich leisten können. Es kostet Geld einen Anwalt zu bezahlen, es kostet Nerven einen Prozess durchzustehen. Überhaupt bedarf es einer gewissen inneren Stabilität, sich auf das Wagnis Gerichtsverfahren einzulassen.

Ich weiß, was es heißt, sich von medialer Hetze, Abmahnungen und Gerichtsverfahren nicht einschüchtern zu lassen. Das ist der Grund, warum ich vor drei Jahren die gemeinnützige Plattform Frauenheldinnen e.V. gegründet und die Rechtshilfe ins Leben gerufen habe: damit Frauen sich wehren können, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Mit rd. 20.000 Euro Crowdfunding im Rücken kann frau es sich leisten, nicht einzuknicken, wenn eine ärztliche Funktionärin erst abmahnt und dann vor Gericht zitiert.

Diese Summe ist durch zahleiche Einzelspenden aus der Zivilgesellschaft zustande gekommen. Bis Stand heute, 24.3.2026, sind auf dem Konto von Frauenheldinnen e.V. 757 Einzelspenden für die Rechtshilfe Rona Duwe vs. Transmedizin eingegangen – in Beträgen von 5,00 und 50 bis 2.000,00 Euro. Anders als die Gegenseite behauptet, ist Frauenheldinnen e.V. weder reich noch durch Putin oder ähnlich ominöse Geldgeber finanziert. Der Verein trägt sich durch Mitgliedsbeiträge, Privatspenden und eine selbstausbeuterische Menge ehrenamtlicher Stunden. Anders als etwa Hate Aid profitieren wir nicht von Zuschüssen aus dem Bundesfamilienministerium.

Was wir dagegen reichlich haben, ist Rückhalt in der Bevölkerung. Und der hilft auch, wenn jetzt wieder die vertrauten Vorwürfe von Hass und Hetze aufbranden. Damit sind Transaktivisten wie Janka Kluge, ehemaliges Vorstandsmitglied von dgti e.V., seit Jahren schnell bei der Hand. Substantiieren können sie ihre Behauptungen allerdings nie.

Das gilt auch für den Rechtshilfefall Maur vs. Rona Duwe. Zunächst einmal war es Sabine Maur, die den Rechtsstreit begonnen hat, indem sie Rona Duwe wegen eines Tweets mit dem Videomitschnitt abgemahnt hat.2 Den Videomitschnitt selbst hatte nicht Duwe auf X veröffentlicht, sondern R. Eder-Kirsch.3  

Dass Maur sie abgemahnt und dann eine einstweilige Verfügung beantragt hatte, hat Duwe erst vorletzte Woche publik gemacht. Sie rief mich an und wir vereinbarten, sofort mit dem Crowdfunding loszulegen, um finanziell gerüstet zu sein. Wer das als Hetze bezeichnet, stellt letztlich die öffentliche Auseinandersetzung über Gerichtsverfahren insgesamt in Frage.

Auch was unsere Falldarstellung angeht, dürfte es schwerfallen, darin Hass und Hetze zu finden. In Abstimmung mit Rona Duwe und ihrem Anwalt Dr. Roman Lammers habe ich von dem Fall genau so viel publik gemacht, wie nötig war, um unsere Unterstützer über die grundlegenden Vorwürfe zu informieren. Ich hätte noch viel mehr Details veröffentlichen können, hielt mich aber bewusst zurück, um jeglichen Eindruck einer Kampagne zu vermeiden.

Nun hat das Gericht zugunsten von Rona Duwe entschieden, dass das Video ein Dokument der Zeitgeschichte darstellt, es darf also verbreitet werden. Dazu lade ich hier ausdrücklich ein. Auch hiermit ist keinerlei Hetze verbunden.

Es liegt nahe, dass es den protestierenden Vertretern der Transmedizin um etwas ganz anderes geht als darum, Hass und Hetze zu vermeiden, sondern darum, ihre Sicht der Dinge dazustellen. Der Gegenstand des Videomitschnitts ist die Indikationsstellung für experimentelle Behandlungen. Hinter dem Begriff der Transmedizin verbirgt sich ein Konzept, das „Geschlecht“ als eine zu therapierende Anomalie betrachtet und die pubertäre Entwicklung als einen Zustand, den man mit Pubertätsblockern gefahrlos unterbrechen kann.4 Die Befürworter, zu denen Sabine Maur gehört, behaupten allen Ernstes, damit Jugendlichen Leid zu ersparen. In anderen Ländern ist die Medizin schon längst dabei, die Entwicklung wieder umzukehren. In Deutschland boomt die Transmedizin noch.5

Es ist zu wünschen, dass der Streit um das Video, den Sabine Maur selbst angestoßen hat, zum Fanal einer gesamtgesellschaftlichen Debatte wird. Dringend auf den Prüfstand gehört der Irrweg, der leidende junge Menschen dazu bringt, ihr Unwohlsein in körperliche Eingriffe zu kanalisieren anstatt in Selbstakzeptanz oder Wut auf die Gesellschaft.

Noch gibt es in Deutschland – anders als in Großbritannien oder den USA – keine Fälle, wo junge Frauen die Kliniken verklagen, die ihnen Testosteron und Mastektomie verschrieben haben, sodass sie ihr weiteres Leben mit tiefer Stimme und ohne Brüste verbringen müssen. Das kann und sollte sich ändern.

Der Fall Maur ist für mich kein Abschluss, sondern ein Anfang. Er hat einen Einblick in eine Praxis gegeben, über die in Deutschland noch viel zu wenig offen gesprochen wird. Es ist sehr zu begrüßen, dass die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz eine unabhängige berufsrechtliche Prüfung von Maurs Äußerungen eingeleitet hat.6

Die nächsten Monate werden zeigen, ob weitere Kammern, die Krankenkassen; Fachgesellschaften oder der GKV-Spitzenverband bereit sind, die heiklen Fragen zu stellen – oder ob weitere Anfragen, Urteile, Anzeigen und Verfahren notwendig sein werden, um Licht hineinzuwerfen. Ich bin bereit, die nötigen Schritte anzustoßen. Und ich danke allen, die diesen Weg mit Frauenheldinnen und mir gemeinsam gehen.

Schreibt gerne in die Kommentare, was ihr zu dem Fall sagt und welche Fragen ihr gerne geprüft haben möchtet.

Nachweise:

Nach Video-Leak und Gerichtsurteil: Sabine Maur tritt von Spitzenämtern zurück – Initiative Queer Nations

Queernet Rheinland-Pfalz, 23.  März: „Eine transfeindliche Kampagne mit Folgen – der Rücktritt der LPK-Präsidentin“ https://queernet-rlp.de/eine-transfeindliche-kampagne-mit-folgen/  Archiv  https://archive.is/BFZY3

Dgti e.V., 23. März: https://dgti.org/2026/03/23/sabine-maur-tritt-zurueck/  Archiv: https://archive.is/9aBvj


Quellen:

  1. Rücktritt: Sabine Maur legt Amt als Präsidentin der LPK RLP nieder, 24.3.2026, https://www.lpk-rlp.de/news/detail/sabine-maur-legt-amt-als-praesidentin-der-lpk-rlp-nieder.html ↩︎
  2. Hier der Wortlaut des Videomitschnitts:
    „Was Sie auch wissen müssen, was uns vor große Herausforderungen stellt ist, dass non-binäre Menschen ausgeschlossen sind von geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Und etwa 30 Prozent der Transmenschen verorten sich als non-binär. Also das ist keine kleine Gruppe, von der wir hier reden, was es im Übrigen auch nicht rechtfertigen würde.
    Und das führt zu der Situation – das wissen die Transmenschen natürlich, die zu uns kommen – dass sie uns entweder nichts davon erzählen, dass sie eigentlich non-binär sind. Was megaschade ist für eine gute Psychotherapie, wenn man sowas Wichtiges nicht einbeziehen kann. Oder sie haben so viel Vertrauen, dass sie es uns erzählen und dann dürfen Sie es aber nicht in Ihr Indikationsschreiben reinschreiben. Weil sonst automatisch die Ablehnung durch die Krankenkasse erfolgt. Jetzt dürfen wir aber als Psychotherapeutin natürlich auch nicht lügen.
    Und ich sage Ihnen meine Lösung für dieses Problem: Ich habe nachgedacht und gedacht bei den binären Transmenschen hab ich ja auch nie ins Indikationsschreiben geschrieben, dass sie binär sind. Sondern da steht einfach F.64 und dann muss ich aber auch nicht bei Non-Binären reinschreiben, dass sie non-binär sind. Dann hab ich nicht gelogen.  Ähm ja … . also das ist mein Wink mit dem Zaunpfahl. Für alle, die sich diese Frage auch stellen, ja. Aber es bringt uns wirklich in beknackte ethische Konflikte.“ ↩︎
  3. Erläuterung von Rona Duwe auf X mit weiteren Nachweisen: https://x.com/ronalyze/status/2036335107049418809 ↩︎
  4. Informationsportal #transjugendlich | Jugendhilfeportal https://jugendhilfeportal.de/artikel/empowerment-fuer-trans-und-nicht-binaere-jugendliche ↩︎
  5. https://api.aerzteblatt.de/pdf/di/121/11/m370.pdf : Research Letter Gender Identity Disorders Among Young People in Germany: Prevalence and Trends, 2013–202 in: Deutsches Ärzteblatt International | Dtsch Arztebl Int 2024; 121: 370–1 ↩︎
  6. https://www.lpk-rlp.de/news/detail/sabine-maur-legt-amt-als-praesidentin-der-lpk-rlp-nieder.html ↩︎

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