Mitarbeit: Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann
Frauenorganisationen werden zunehmend von islamischen Verbände eingeladen – unter Überschriften wie Dialog, Vielfalt oder Verständigung.
Doch was nach offenem Austausch klingt, ist in Wahrheit oftmals strategische Imagepolitik religiöser Netzwerke, die gesellschaftliche Legitimation suchen. Wer Frauenorganisationen auf dem Podium sitzen hat, kann sich anschließend als dialogbereit präsentieren – auch wenn innerhalb der eigenen Strukturen Geschlechtertrennung oder patriarchale Normen gelten.
Ein Teil der islamischen Verbandslandschaft in Deutschland ist politisch oder ideologisch mit Netzwerken verbunden, die seit Jahrzehnten auf gesellschaftlichen Einfluss über Dialog und Kooperation setzen. Besonders bekannt ist diese Strategie aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft.
Organisationen aus diesem Spektrum finden sich auch in Deutschland, etwa im Umfeld des Koordinierungsrats der Muslime (KRM) oder in Verbänden wie IGMG, ZMD, DITIB oder VIKZ, die in politischen und sicherheitspolitischen Analysen immer wieder im Zusammenhang mit politischem Islam diskutiert werden.
Der „soziale“ Sonderfall Ahmadiyya
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel geschickten Eigenmarketings ist die Ahmadiyya-Gemeinde. Sie präsentiert sich in Deutschland betont demokratiekompatibel, sozial engagiert und integrationsorientiert. Formate wie „Moschee im Dialog“ gehören zu dieser Strategie.
Gerade deshalb wirken solche Angebote für viele zivilgesellschaftliche Organisationen zunächst unproblematisch. Doch auch hier gilt: Der freundliche Ton eines Dialogformats sagt nichts über die inneren religiösen Strukturen aus. Die Ahmadiyya-Gemeinde ist eine streng hierarchische religiöse Gemeinschaft mit einem Kalifen an der Spitze und – nach Möglichkeit – klar getrennten Lebensbereichen der Geschlechter.
Die besondere Verwundbarkeit von Frauenorganisationen
Frauenorganisationen haben traditionell eine große Stärke: Dialogbereitschaft und Solidarität. Doch genau diese Offenheit macht sie anfällig. Wer ihnen gegenüber freundlich und sozial auftritt, bekommt oft schnell die Türe zu feministischen oder zivilgesellschaftlichen Räumen geöffnet. Doch nicht selten nehmen Frauenorganisationen dadurch Wölfe im Schafspelz auf – solange diese freundlich genug auftreten.
Dialog ist wichtig. Aber er darf nicht dazu dienen, ideologische Projekte zu legitimieren, die Frauenrechte untergraben. Gerade deshalb ist es höchste Zeit, genauer hinzusehen,
wem Frauenorganisationen eine Bühne bieten.
Für Frauenheldinnen gilt: Frauenrechte sind nicht verhandelbar. Sie gelten unabhängig von Religion, Kultur oder politischer Ideologie.
Checkliste: Fragen vor einer Zusage
Bevor Frauenorganisationen eine Einladung annehmen oder Kooperation eingehen, sollten sie mindestens klären:
Frauenrechte
- Unterstützt die Organisation volle rechtliche Gleichberechtigung?
- Werden statt „Gleichberechtigung“ Tarnbegriffe für mindere Rechte wie „Gleichwertigkeit“ benutzt?
- Gibt es Geschlechtertrennung?
- Können Frauen Mitglieder und Führungspersonen sein?
Machtstrukturen
- Wer trifft Entscheidungen?
- Gibt es eine religiöse Führung (Kalif, Gelehrtenrat o. Ä.)?
- Haben Frauen dort gleichberechtigten Einfluss?
Religiöse Normen
- Welche Haltung besteht zu Kopftuchnormen oder religiösen Geschlechterrollen?
Kontrolle des Dialogs
- Wer organisiert und moderiert die Veranstaltung?
- Sind kritische Fragen ausdrücklich erlaubt?
Öffentlichkeitswirkung
- Werden der Auftritt oder die Kooperation als Beleg für „Dialog mit Frauenorganisationen“ genutzt?
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