Leihmutterschaft & Reproduktionstechnologie | Feminismus & Körper

Rumpelstilzchen trägt heute einen Maßanzug

von | 25.05.26

MCAD Library, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons

MCAD Library, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons

„Heut unterschreib’ ich, morgen zahl’ ich – und übermorgen hol’ ich mir der Leihmutter ihr Kind…“

Es war einmal das „Rumpelstilzchen“…

Eine Müllerstochter ohne Namen gerät durch die Geltungssucht ihres Vaters und die Geldgier des Königs in die missliche Lage, aus Stroh Gold spinnen zu müssen – und das „kleine Männchen“ Rumpelstilzchen bietet an zu helfen. Natürlich nicht selbstlos, sondern gegen Gegenleistung: erst das Halsband, dann den Ring, am Ende das erstgeborene Kind.

Jeder Märchenkenner weiß: In alten Volksmärchen werden tiefe Ängste verarbeitet. Aber er weiß auch, dass am Ende das Gute siegt. Rumpelstilzchen reißt sich in seinem Zorn selbst entzwei, und das Kind bleibt bei seiner Mutter.

Die Grunderzählung bleibt bis heute dieselbe: Frauen geraten – oft durch Männer – in Notsituationen, und andere Männer, die sich unvollständig oder „klein“ fühlen, nutzen diese Lage aus, um sich ein Kind zu verschaffen. Erstaunlicherweise reißt sich heute eben nicht mehr das „kleine Männchen“ entzwei, sondern zerbricht am Ende mindestens eine Frau – und manchmal sogar das Kind.

Die entmenschlichte Frau

Die Geschichte der Entmenschlichung der Frau zum Objekt männlicher Bedürfnisse ist lang. Wie die Müllerstochter zum Spielball von männlicher Eitelkeit und Gier wurde, werden Frauen heute unter dem Mantra der „Selbstbestimmung“ in einer Konsumgesellschaft zum Erfüllungsobjekt für männliche Orgasmen und die Weitergabe männlicher Gene gemacht.

Bei der Weitergabe ihrer Gene kommen Männer trotz aller Technologie nicht ohne Frau aus. „Noch nicht“ – frohlocken bereits viele, wenn sie auf die Forschungen zu Stammzellen und künstlichen Gebärmuttern verweisen.

Martin Rothblatt etwa, ein Milliardär, der behauptet, eine Frau zu sein, arbeitet wie viele andere seit Jahren daran, diesen „lästigen Umweg“ über einen weiblichen Körper ein für alle Mal zu beseitigen. Technologie soll der neue Schöpfer sein. Die Herstellung von Gameten aus Stammzellen und die Entwicklung künstlicher Gebärmuttern schreitet rasant voran. Der Markt ist gigantisch – Eugenik inklusive.

Früher – und auch heute noch in mehr Teilen der Welt als uns lieb sein sollte – haben Männer Frauen zu diesen Zwecken geraubt, verschleppt oder durch Handel erworben. Heute kleiden sie ihren Raub und den Kauf in Verträge. Der moderne Mann im Maßanzug erklärt Sex zur Dienstleistung und Kindesbeschaffung zum „Werksvertrag“. Er fühlt sich moralisch überlegen – und wähnt sich wie Rumpelstilzchen im Recht.

Der entkörperte Mensch

Die Frage „Was ist eine Frau?“ führt zwangsläufig zur tieferen Frage: „Was ist ein Mensch?“

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen sich gesunde Genitalien und Geschlechtsmerkmale entfernen lassen – und dieser Akt von Teilen der Medizin, den Medien und der Politik als Erlösung gefeiert wird. Nach Augenlidstraffung, Brustvergrößerung und Anusbleaching gehören nun Mastektomien und Penisinversionen zum selbstverständlichen Repertoire mancher plastischer Chirurgen. Der Körper wird zum gestaltbaren Objekt, Körperteile zum kaufbaren Accessoire.

Alles scheint möglich. Auch die Bestellung eines Kindes nach Wunschkriterien. Bei schwulen Paaren auffällig oft ein Junge – der gute alte Stammhalter.

Wir feiern den dissoziierten Menschen, der sich nicht mehr als vollständigen Organismus begreift, sondern als Maschine, deren Teile man beliebig austauscht oder neu erschafft. Ein längst überwunden geglaubtes dualistisches Menschenbild kehrt zurück.

Die entfremdete Frau

Spüren Frauen in dieser Gemengelage eigentlich noch, wer sie sind und wozu ihr Körper fähig ist? Wissen sie noch, welches Wunder sie in sich tragen – neues Leben zu erschaffen? Oder sind sie bereits versunken in der Erzählung, die sie zum bloßen Empfänger, zum Austragenden, zum Acker degradiert – erlöst durch Technologie?

Was ist eine Frau? Für Gender-Ideologen eine sexistische, sexualisierte Performance. Will man das wirklich sein? Die tiefen, biologisch nachweisbaren Bindungsprozesse zwischen Mutter und Kind, die komplexen Vorgänge beim Stillen – all das wurde jahrelang geleugnet oder kleingeredet. Gleichzeitig feiern Gazetten die kinderlose Frau, erklären Kinderkriegen zum Klimakiller und stempeln heterosexuelle Familien mit Kindern als „rechtsradikal“ ab.

Frauen wissen, dass Mutterschaft einen Preis hat: Karriere, Einkommen, sozialer Status. Zynischerweise umgehen ausgerechnet reiche, prominente Frauen diesen Preis, indem sie andere Frauen entmenschlichen und als Leihmütter benutzen.

Das wäre der Müllerstochter nie in den Sinn gekommen.

Und sie lebten glücklich…?

Ich halte diese Entwicklungen auf mehreren Ebenen für hochproblematisch. Manchen Frauen wird erst im Alter bewusst, wie sehr sie sich von fremden Frauenbildern und Rahmenbedingungen haben beeinflussen lassen. Über meine eigene Erfahrung damit schrieb ich in einem vielbeachteten Post auf X.

Die Müllerstochter hat letztlich durch ihr eigenes Selbstverständnis, ihre Intelligenz und Beharrlichkeit das Ruder herumgerissen. In dieser Tradition stehen heute all jene, die sich der Entmenschlichung der Frau und der Entkörperlichung des Menschen widersetzen.

Es gibt viel zu tun.

Autorin

  • Wundertussi

    In ihrer Kolumne geht die auf X bekannte Wundertussi ihrer Leidenschaft nach: Die kafkaesken gesellschaftlichen Entwicklungen rund um das Thema "Frau" zu kommentieren. Sie malt ihre Texte mit Analogien, Metaphern und manchmal schlicht mit brutaler Klarheit. Sie wundert sich nicht, sie ärgert sich. Und so ärgert es sie auch, dass sie ihre wahre Identität nicht preisgeben kann, ohne reale Risiken einzugehen.

    Wundertussi (@wundertussi) auf X

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